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Pensionsdebatte braucht mehr als den Blick auf das Budget

  • Montag, 3. August 2026 @ 13:28
Aktuelles

Die jüngsten Aussagen von Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, haben eine kontroverse Debatte ausgelöst. Sie hatte sich offen für eine Diskussion über eine mögliche Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters gezeigt und es angesichts der demografischen Entwicklung als legitim bezeichnet, über die Zukunft unseres Pensionssystems zu sprechen.

Diese Aussagen stießen in der Vorwoche nicht nur in unseren Reihen, sondern auch bei anderen im Seniorenrat mitwirkenden Senior:innenorganisationen auf Kritik.

Kollegin Birgit Gerstorfer vom SP-nahen Pensionistenverband Österreichs stellte in ihrer direkten Reaktion klar: „Am gesetzlichen Pensionsantrittsalter darf nicht gerüttelt werden.“ Im Widerspruch zu Korosec, mit der Gerstdorfer neben ihrer Funktion als PVÖ-Präsidentin auch gemeinsam und gleichberechtigt als Co-Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates tätig ist, sprach sich Gerstorfer im Namen des PVÖ gegen jede Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters aus. Bezogen auf die aktuelle Debatte lehnte sie insbesondere eine Koppelung des Pensionsalters an die steigende Lebenserwartung oder an die Zahl der Erwerbsjahre ab.

Für den ZVPÖ ist klar: Beim gesetzlichen Pensionsalter darf es nicht nur um die Finanzierbarkeit des Systems gehen.

Gesundheit im Ruhestand

Wer über ein höheres Pensionsantrittsalter spricht, muss auch den Gesundheitszustand der Menschen beim Übergang in den Ruhestand berücksichtigen. Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, dass viele Menschen bereits vor oder spätestens beim Pensionsantritt mit chronischen Erkrankungen oder gesundheitlichen Einschränkungen leben.

Entscheidend ist daher nicht nur, wie lange wir leben. Entscheidend ist auch, ob Menschen nach einem jahrzehntelangen Arbeitsleben noch genügend gesunde Jahre vor sich haben. Ein gutes Pensionssystem misst sich nicht allein an seiner Finanzierbarkeit. Es muss den Menschen auch ermöglichen, den wohlverdienten Ruhestand möglichst lange aktiv, selbstbestimmt und bei guter Gesundheit zu genießen.

Unterschiedliche Belastungen in der Arbeitswelt

Oft wird übersehen, wie unterschiedlich die Arbeitsrealität vieler Menschen ist. Sie unterscheidet sich deutlich von jener von Funktionärinnen und Funktionären oder Angehörigen freier Berufe. Eine Pflegekraft, ein Bauarbeiter, eine Verkäuferin, ein Schichtarbeiter oder eine Reinigungskraft sind anderen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt als Menschen in überwiegend sitzenden oder selbstbestimmten Tätigkeiten. Diese Unterschiede müssen in einer seriösen Pensionsdebatte berücksichtigt werden.

Freiwilliges Arbeiten über das Pensionsalter hinaus

Ingrid Korosec arbeitet auch mit 86 Jahren freiwillig weiter. Das ist ihr gutes Recht.
Wer über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeiten möchte, soll dies auch künftig tun können. Dafür bestehen bereits heute entsprechende Möglichkeiten und Anreize. Etwas anderes ist es jedoch, aus der freiwilligen Entscheidung Einzelner einen allgemeinen Maßstab für alle zu machen.


Gerechtigkeit zwischen den Generationen

Bemerkenswert ist, dass die Forderung nach einer Anhebung des Pensionsantrittsalters ausgerechnet von einer Person kommt, die ihren eigenen Pensionsanspruch bereits vor rund 25 Jahren erworben hat.

Wer selbst unter den bisherigen gesetzlichen Rahmenbedingungen in Pension gehen konnte, sollte sich fragen, ob es gerecht ist, nachfolgenden Generationen längere Erwerbszeiten zuzumuten. Generationensolidarität ist keine Einbahnstraße. Ältere Menschen erwarten zu Recht Respekt für ihre Lebensleistung und wenden sich gegen Altersdiskriminierung. Dieselbe Solidarität sind wir auch den jungen Menschen schuldig, die heute ihre Ausbildung absolvieren oder mitten im Berufsleben stehen.

Es wäre nicht fair, ihnen nachträglich schlechtere Bedingungen für den Pensionsantritt aufzuerlegen als jenen Generationen, die bereits in Pension sind.

Der ZVPÖ tritt daher für eine Pensionspolitik ein, die finanzielle Verantwortung mit sozialer Gerechtigkeit verbindet. Ziel muss sein, dass Menschen nach einem langen Arbeitsleben nicht nur eine sichere Pension erhalten. Sie sollen auch die Chance haben, ihren Ruhestand gesund, aktiv und in Würde zu erleben.

Herbert Fuxbauer
ZVPÖ-Bundessekretär