Beim ZVPÖ-Bundesvorstand am 25.2. sprach die renommierte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb über die Auswirkungen des Klimawandels auf die ältere Generation.
Hier ein kurzer Auszug aus ihrem Vortrag.
2024 war global das heißeste Jahr seit Messbeginn (ca. +1,6 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit). Seit den 1980ern war jedes Jahrzehnt wärmer als das davor. Die Wissenschaft habe die Erwärmungswirkung von CO₂ unterschätzt und die kühlende Wirkung von Aerosolen überschätzt, so Helga Kromp-Kolb. Die Reduktion der Aerosole ist aus Gesundheitsgründen nötig – Feinstaub verursacht Millionen vorzeitige Todesfälle –, kann aber zu zusätzlicher Erwärmung führen.
Österreich erwärmt sich mit rund +3,1 °C seit den 1980ern mehr als doppelt so stark wie der globale Durchschnitt. Als Binnenland fehlt die ausgleichende Wirkung der Meere; schwindende Schneedecken und Gletscher verstärken durch dunkle Flächen die Erwärmung. Extremereignisse nehmen zu: Hochwasser, Hagel, Dürre, Borkenkäferplagen. Das Hochwasser 2024 verursachte Schäden in Milliardenhöhe. Temperaturen über 40 °C werden wahrscheinlicher.
Klimaschutz ist günstiger als die Folgekosten
Besonders betroffen ist die Gesundheit: Hitzekollaps, Verletzungen durch Extremereignisse, Ausbreitung neuer Krankheitserreger, steigende Pollen- und Ozonbelastung sind die Auswirkungen. In Österreich gibt es mehr Hitze- als Verkehrstote. Hitzetote werden jedoch kaum registriert, offiziell starben viele an „Organversagen“. Besonders betroffen sind Menschen über 80, Menschen mit Vorerkrankungen und Kleinkinder. 2003 zeigte, wie gefährlich anhaltende Hitze ist – besonders für Hochbetagte, Vorerkrankte, Kleinkinder und Menschen, die schwere körperliche Arbeit verrichten. Schutzmaßnahmen sind u.a. ausreichendes Trinken, kühle Innenräume, Beschattung, Nachbarschaftshilfe. Städte brauchen mehr Grünflächen; die soziale Ungleichheit verschärft Hitzefolgen.
Auch Energie- und Wasserversorgung geraten unter Druck: Kraftwerke benötigen Kühlwasser, bei Hitze drohen Leistungsreduktionen. Ernteausfälle, Rückgang von Fischbeständen und Wasserknappheit verschärfen Hunger und Migration.
Kein unbegrenztes Wachstum in einem begrenzten System
Wird die 2-Grad-Grenze überschritten, drohen selbstverstärkende Prozesse („Hot House Earth“). Es braucht eine umfassende Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in allen Bereichen: Energie, Mobilität, Landwirtschaft, Gesundheit. Kreislaufwirtschaft, reparierbare Produkte und Prävention im Gesundheitssystem sind Beispiele.
Frieden ist Voraussetzung für Nachhaltigkeit.
Militärische Emissionen werden oft nicht bilanziert; Aufrüstung verschärft die Klimakrise. Ein Atomkrieg hätte katastrophale Folgen – hunderte Millionen Tote sofort, Milliarden durch „nuklearen Winter“.
Geoengineering und CO₂-Speicherung (CCS) sind technisch riskant, teuer und politisch ungeklärt. Auch der Energiebedarf von KI-Rechenzentren ist hoch. Letztlich geht es auch um die Frage: Was brauchen wir wirklich?
Ältere Menschen haben Zeit und Erfahrung, sich einzubringen.
Wir sollten uns drei Fragen stellen:
Was ist uns wichtig?
Worauf verzichten wir?
Was können wir neu oder wieder lernen?
Ohne klare staatliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliches Umdenken wird der Klimawandel nicht zu bewältigen sein.
Was können ältere Menschen tun, um sich vor Hitze zu schützen?
ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen
Innenräume nur in der Früh lüften (aber, wenn die Nächte nicht mehr abkühlen, kann man die Kühle nicht mehr hereinholen)
Außenjalousien anbringen
Schattenplätze unter Bäumen aufsuchen (z.B. Nussbäumen)
wenig Alkohol, Zucker und Koffein zu sich nehmen
kühle, nicht eiskalte Getränke zu sich nehmen, z.B. Wasser mit etwas Salz
Klimaanlage einschalten (Problem: diese sind mit Strom betrieben und verstärken daher den Klimawandel – mit Solarenergie betriebene als Alternative)
nicht im Auto sitzen bleiben, besonders auch Kinder und Hunde nicht im Auto lassen
Nachbarschaftssystem: ältere Menschen besuchen und bei ihnen bleiben, bis sie getrunken haben.