Seit Jahren schreiben angeblich seriöse Medien gegen das seit Jahrzehnten bewährte Pensionssystem – basierend auf dem Umlageverfahren und dem Generationenvertrag – mit aller Vehemenz an und lassen dazu fast täglich selbsternannte „Expert:innen“ zu Wort kommen, die eben dieses System mit kruden Argumenten madig machen und dann zeigen sie sich über die Folgen verwundert, hält Kollege Leo Furtlehner aus Linz in einem aktuellen Onlinebeitrag fest.
Etwa mit der Schlagzeile „Glaube an ausreichende Pension sinkt“, wie uns Bettina Pfluger mitteilt.(Standard, 14.1.2026).
Wie unseriös argumentiert wird, beginnt schon mit dem Terminus „staatliche Pension“. Damit wird nämlich der Eindruck vermittelt, der Staat würde uns gnadenhalber die Pension zugestehen. Fakt ist jedoch, dass die Pensionen durchwegs auf Eigenleistung der Versicherten beruhen – auch wenn der Eigenfinanzierungsgrad unterschiedlich hoch ist: ASVG-Versicherte 85,5 Prozent, Selbstständige 52,7 Prozent, Landwirt:innen 22,3 Prozent (Arbeiterkammer, 2022).
Nun liegt die „Vorsorgeumfrage 2026“ vor (IMAS, 2026, 1.000 Personen zwischen 16 und 65), der zufolge 45 Prozent den Staat „nicht mehr als verlässlichen Partner“ bei der Pensionsfinanzierung sehen, 75 Prozent nicht mehr an „ausreichende staatliche Pension“ glauben und 63 Prozent glauben auch in der Pension weiterarbeiten zu müssen. Soweit das Ergebnis des jahrelangen Trommelns der „Pensionsexpert:innen“ – garniert mit dem demografischen Wandel, wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischen Einflüssen.
Pikant ist allerdings, wer die Auftraggeber der Umfrage sind:
Nämlich Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische – im Klartext Banken und Versicherungen, die im Geschäft mit der profitablen Privatvorsorge aktiv sind, sei es via Pensionskassen oder ganz direkt, wie ihre diesbezügliche Werbung tagtäglich verdeutlicht. Ausgerechnet die Finanzbranche – die die Welt in der Finanzkrise von 2007/2008 mit ihren irren Spekulationsgeschäften an den Rand des Abgrund gebracht hat und sich mit Milliarden Steuergeld retten ließ will uns weismachen, dass sie ein „verlässlicherer Partner“ als der vielgeschmähte Staat ist?
Und so erklärt uns die Erste Bank-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller recht treuherzig, dass nach den Erkenntnissen ihres Instituts die Menschen für ihre private Pensionsvorsorge monatlich 225 Euro zur Seite legen – sprich der Bank für weitere Spekulationsgeschäfte anvertrauen – wollen. Da muss die überbezahlte Bankchefin mit einem Jahreseinkommen von weit mehr als einer Million Euro wohl erst Kleinverdiener:innen mit vielleicht 1.500 Euro netto trotz Vollzeitarbeit erklären, wie das angesichts einer anhaltenden massiven Teuerungswelle funktionieren soll.
Apropos privat vorsorgen:
Es steht natürlich allen frei entsprechend ihren Möglichkeiten privat zusätzlich zum öffentlichen Pensionssystem vorzusorgen. Am sinnvollsten – weil solidarisch und nicht der Willkür der Finanzhaie ausgeliefert – erfolgt das mit einer freiwilligen Höherversicherung über die allgemeine Pensionsversicherung (Hier klicken!) und damit ohne die Profitmacherei der Finanzwelt. Diese Möglichkeit wird bezeichnenderweise aber nicht öffentlich beworben, da haben die privaten Versicherer was dagegen, schließlich wollen sie mit dem Pensionsgeschäft ordentlich Kohle machen.
Doch wenn die private Vorsorge propagiert wird – und dann gleichzeitig von „steuerlichen Erleichterungen“ zur Stärkung der zweiten (betrieblichen) und dritten (privaten) Pensionsvorsorge die Rede ist und die Senkung der Wertpapier-Kapitalertragssteuer urgiert wird ist das mitnichten „privat“, sondern soll wieder der Staat durch Steuerverzicht einspringen.
Das österreichische Pensionssystem basiert darauf, dass aus den Versicherungsbeiträgen der aktiv Beschäftigten die Pensionen der aus dem Produktionsprozess ausgeschiedenen Personen finanziert werden. Wohlweislich unterschlagen wird von den Finanzhaien dabei, dass die Zahl der Beschäftigten mit 4,54 Millionen (statistik.at, Herbst 2025) einen neuen Höchststand erreicht hat.
Unterschlagen wird ebenso, dass die Wirtschaftskraft mit einem Bruttoinlandsprodukt von 494 Milliarden Euro im Jahre 2024 (WKO, 2025) ebenso einen Rekordstand in der österreichischen Geschichte aufweist. Anstelle das solidarische Pensionssystem mit recht durchsichtigen Eigeninteressen durch fragwürdige Studien und Umfragen madig zu machen wäre besser darüber zu diskutieren, die Dienstgeberbeiträge statt nach der reinen Lohnsumme nach der gesamten Wertschöpfung zu bemessen, wie das der seinerzeitige Sozialminister Alfred Dallinger schon in den 1980er Jahren gefordert hat.